Zu "Meine Notizen" hinzufügenDie Geschichte Taiwans
Archäologische Funde belegen, dass Taiwan vor rund 12.000 Jahren von Einwanderen aus Austronesien besiedelt wurde. Die Nachfahren dieser Urbevölkerung werden bislang in zehn Völker unterschieden, jedoch setzen sich weitere Ueinwohnergruppen dafür ein, von der Regierung als Mitglieder eigenständiger Stämme anerkannt zu werden.
Taiwan wurde auch schon früh von chinesischen Händlern und Piraten angelaufen, jedoch erst seit dem 17. Jahrhundert vermehrt von Chinesen besiedelt. Diese Einwanderer kamen hauptsächlich aus der Provinz Fujian und siedelten im westlichen Flachland. Ihre Nachfahren nennen sich heute meistens "Taiwaner". Ihre Sprache, Hokkien oder Fujian-Dialekt genannt, gilt auf der Insel als "Taiwanisch"- Amtssprache ist jedoch Mandarin-Chinesisch. Und doch sind heute die Ansagen in vielen öffentlichen Verkehrsmitteln mehrsprachig und die Kinder lernen in der Schule mindestens einen Dialekt oder eine der Sprachen der Ureinwohner.
Den ersten Kontakt mit Europäern hatte man im 16. Jahrhundert durch portugiesische Seefahrer. Es heißt, sie hätten beim Anblick Taiwans "Ilha Formosa" -wunderschöne Insel- gerufen. Noch weit ins 20. Jahrhundert hinein war Taiwan im Westen deshalb unter dem Namen Formosa bekannt. General Koxinga, der 1661/62 die Holländer vertrieb, machte Tainan zur ersten Hauptstadt. Taiwan blühte auf und fast eine Million Chinesen siedelten trotz des vom Kaiser verhängten Ausreiseverbots im folgenden Jahrhundert über.
Aber lediglich zwischen 1885 und 1895 war Taiwan formell eine chinesische Provinz mit Taipeh als Hauptstadt. Nach dem chinesisch-japanischen Krieg von 1894/95 musste China Taiwan an Japan abtreten. Am 10.10.1911 vollzog sich in China wiederum eine im Nachhinein auch für die Insel bedeutsame Entwicklung:
Eine Militärrevolte in Wuchang, Provinz Hubei, führte den Sturz der Mandschu-Herrschaft und damit den endgültigen Zusammenbruch es chinesischen Kaiserreichs herbei. Am 1. Januar 1912 wurde Dr. Sun Yat-sen erster Präsident der neugegründeten Republik China.
Verfassungsgemäß ist Taiwan der rechtliche Nachfolger der ersten chinesischen Republik, so dass man dort die "Doppelzehn" (10.10.) nach wie vor als Nationalfeiertag begeht. 1912 wurde die Kuomintang (KMT) gegründet, die ab 1923 die bis auf weiteres stärkste politische Kraft werden sollten. 1927 setzte sich General Chiang Kai-shek gegen die "Warlords" der zerfallenden chinesischen Republik durch. dann jedoch besetzte Japan ab 1931 Teile Chinas und 1937 kam es sogar zum offenen Krieg zwischen beiden Ländern.
Nach der Kapitulation Japans im zweiten Weltkrieg übernahm mit Zustimmung der Aliierten die Republik China Taiwan. Die ersten Truppen der KMT setzten nach Taiwan über. Mit der Überwindung des äußeren Feindes brach der bereits seit längerem schwelende Kampf um die Macht zwischen der Kuomintang und den Kommunisten zu einem offenen Bürgerkrieg auf dem chinesischen Festland aus.
Als die chinesischen Kommunisten im Jahre 1949 auf dem chinesischen Festland die Volksrepublik China gründeten, zog sich die von der Kuomintang (KMT) geführte Regierung der Republik China nach Taiwan zurück, wo sie die Kontrolle über Taiwan, die Pescadoren-Inselgruppe (Penghu), Kinmen, Matsu und zahlreiche andere kleine Inseln behielt. Die beiden Seiten der Taiwanstraße werden seitdem als getrennte Territorien regiert und haben unterschiedliche Identitäten entwickelt.
Im Bereich der politischen Entwicklung ist Taiwan zu einer freien und lebendigen Demokratie gereift. Im Jahre 1987 hob die Regierung das Kriegsrecht auf und startete zur Ausweitung des demokratischen Prozesses eine Reihe politischer Reformen. 1996 wurde der Staatspräsident erstmals direkt vom Volk gewählt. Das Ergebnis der Präsidentschaftswahl von 2000 beendete ein halbes Jahrhundert unter der Herrschaft der KMT und markierte einen friedlichen Machtwechsel zur siegreichen Demokratischen Progressiven Partei (DPP).