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[Mein Reisetagebuch] Eine Rückkehr in die Heimat

Text&Fotos: Francesca Chang

Ich erinnere mich noch an das erste Mal, als ich auf diese Insel kam. Zikaden zwitscherten im Hintergrund, der Duft von Yulan-Magnolien durchdrang die Luft, eine Sonne, die heller schien als meine blasse Haut und wie nie zuvor auf mich herabgestrahlt hatte. Ich war eine 19-jährige Studentin mit weit aufgerissenen Augen, die an die National Taiwan University in Taipei kam, um Chinesisch zu lernen.

Neben mir stand mein Vater, der als Brücke zur meiner amerikanischen Erziehung und meinen asiatischen Wurzeln diente. Obwohl taiwanisch seine Muttersprache war, ist auch er gerade in einem „fremden“ Land gelandet. Er und seine Familie hatten Taiwan während der turbulenten Jahre die Insel verlassen und es war das erste Mal nach 40 Jahren, dass er zurückgekehrt war.

Gemeinsam starteten wir eine unvergessliche Reise rund um die Insel, fuhren in Nostalgiezügen, die den heutigen Hochgeschwindigkeitszügen in keinster Weise ähneln und aßen Eisenbahn-Lunchpakete (Biandang) entlang des Weges. Wir besuchten den Taroko Nationalpark, erkundeten seine marmorierten Klippen und den bemerkenswerten Tunnel of Nine Turns. Wir flossen den Xiuguluan Fluss in Hualien hinunter und durchschnitten die Küstengebirge. Wir besuchten unsere Familie in Tainan, im Süden; Keins der berühmtesten Restaurants Taiwans kann die Hausmannskost meiner Großtante übertreffen. Leider haben wir es nicht nach Kaohsiung geschafft, dem Geburtsort meines Vaters, bevor er in die Staaten wieder zurückkehren musste.

Etwas wusste mein Vater, dass mich ein paar Sprachkurse, zugehend zu meiner Volljährigkeit, nach Taiwan führen würden. Woraufhin ich sogar beschloss zu bleiben um meine frühen 20er Jahren im Land seiner Vorfahren zu verbringen, Englisch zu lehren, von Clubs zu KTV Clubs durch Taipehs Nachtleben ziehe. Und manchmal in die Bergdörfer wie das nahe gelegene Wulai flüchte, wann immer ich eine Pause vom Stadtleben brauche. Ich habe Stinky Tofu lieben gelernt und toleriere sogar Jeans während des feuchten Sommers. Nach einigen Jahren kehrte ich in die USA zurück und besuchte die juristische Fakultät.

Spulen wir schnell vor zu meinen frühen 30er Jahren, dann findet man mich wieder in Taiwan. Nachdem ich eine Weile den American Dream gelebt hatte, kehrte ich in die „Heimat“ zurück. Meine Augen waren genau so weit aufgerissen wie damals, als ich zum ersten Mal aus dem Flugzeug stieg. Nur dieses Mal bin ich zurückgekehrt auf der Suche nach der natürlichen Schönheit dieses Landes (diesmal besuchte ich den Sonne-Mond-See, Penghu und natürlich Kaohsiung), ein angenehmes Tempo des Lebens und die unvergessliche Freundlichkeit von Fremden auf dieser Insel hat mich zu der Person gemacht, die ich heute bin.

Ich bin wieder da. Und es hat nur 10 Jahre gedauert, statt 40 Jahre!

 

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